«Jeder Baustein in der Recycling-Kette zählt.»

Sandro Graf,
Geschäftsführer Häfeli Recycling AG
4. Mai 2026 | Reportage

Wo der PET-Flasche die Luft ausgeht

Die Häfeli Recycling AG im aargauischen Birr ist das neueste Umschlagzentrum von PET- Recycling Schweiz. Sie ist damit ein wichtiger Baustein in einem System, das die Schweiz seit Jahrzehnten zum Vorbild im PET-Recycling macht.

Geschäftsführer Sandro Graf gibt Einblicke in den Verdichtungsprozess mit der neuesten Investition, der Ballenpresse.

Die Halle in Birr ist riesig, das rund 2000 Quadratmeter grosse Dach ist bedeckt mit Solarpanels. Gut sichtbar von aussen: Das lange Förderband der neuesten Anlage der Häfeli Recycling AG, das fast bis unters Hallendach reicht. Es gehört zur Ballenpresse. Diese verarbeitet nicht nur Karton und Alu, sondern auch PET-Flaschen zu handlichen Ballen. Sandro Graf, Geschäftsführer: «Hier im neuesten Umschlagzentrum von PET-Recycling Schweiz befinden wir uns am Anfang des Verwertungsprozesses — beim Sammeln und Verdichten.»

Hinter diesen beiden Begriffen steht ein Betrieb, der in den letzten Jahren stark expandiert hat. Sandro Graf, 34-jährig, hat schon seine Lehre beim Mutterhaus Vögtlin-Meyer AG absolviert. Das Traditionsunternehmen und seine Tochterfirmen sind alle in den Bereichen Entsorgung, Recycling, Verwertung und Transport tätig. Im Januar 2024 konnte das Unternehmen die Häfeli Recycling aus Lenzburg mit dazugehöriger Biogas-Anlage sowie deren Zweit-Standort in Birr übernehmen. Im Juni letzten Jahres kam das operative Geschäft der Hans Meyer AG hinzu. Für Sandro Graf, inzwischen Geschäftsführer der Vögtlin-Meyer Entsorgung AG, hiess das: Sein Betrieb verdoppelte sich auf einen Schlag. «Heute zählt das Unternehmen 170 Angestellte und 65 Lastwagen. Im PET-Bereich sind zwei Personen im Verdichtungszentrum und vier Chauffeure im Einsatz, die täglich Hunderte von Sammelstellen in der Region Aarau, Lenzburg, Zofingen und im Luzerner Hinterland bedienen.»

«Regional verankert sein, zuverlässig arbeiten und anpacken können, das ist unser wichtiger Beitrag in der Sammelkette.»

Sandro Graf –
Geschäftsführer Vögtlin-Meyer Entsorgung AG

Pressen, was die Anlage hergibt

Dass Häfeli Recycling nun auch Umschlagzentrum ist, war kein Zufall. Nachdem das frühere Verdichtungszentrum in Neuenhof geschlossen hatte, fehlte im Aargau eine Anlage, die das PET-Material vor dem Weitertransport pressen konnte. Sandro Graf investierte mit der Häfeli Recycling in eine Ballenpress-Anlage und bot sich PET-Recycling Schweiz als neues Umschlagzentrum an. «Einer der Gründe für die Investition ist die Systemstabilität. Das Material, das entweder in Säcken oder in den grossen blauen Big Bags ankommt, ist sehr lose und voluminös. Durch das Verdichten können wir es viel platzsparender lagern und weitertransportieren.»

Die rund 60 Tonnen schwere Ballenpresse ist seit Dezember 2025 in Betrieb. Bis zu 20’000 PET-Flaschen passen in einen einzigen Ballen von 250 bis 300 Kilogramm. Im März 2026 wurden so 113 Tonnen PET-Flaschen zu 446 Ballen gepresst.

Der Weg vom gefüllten PET-Sammelsack zur gepressten Flasche führt über ein Förderband zu einem Plätterer bis in die eigentliche Presse. Der Plätterer — ein System aus ineinandergreifenden Walzen — bricht jede Flasche an Boden oder Deckel auf, damit die Luft entweichen kann. «Ohne diesen Schritt würden die noch mit Luft gefüllten Flaschen die fertigen Ballen platzen lassen», erklärt Lars Gerber, Maschinenchef im Verdichtungszentrum. Nach dem Brechen werden die Flaschen weitertransportiert und mit einer Ramme gepresst. Zum Schluss werden die Ballen mit Stahldraht zusammengebunden. Die Grösse der einzelnen Ballen gibt Lars Gerber vorgängig im System ein. «Die Ballen im PET-Recycling dürfen maximal 150 cm lang und 300 Kilo schwer sein. In dieser Grösse können wir drei Ballen übereinander mit dem Gabelstapler verschieben und für den Transport ins Sortierzentrum nach Unterengstringen bereitstellen.»

Ein weiteres Argument für die Anschaffung der Anlage war der ökologische Aspekt. Sandro Graf: «Bis anhin haben wir die PET-Säcke mit einem Vierachser in 40-Tonnen-Mulden in das Sortierzentrum nach Unterengstringen gefahren. So haben wir eine Menge Luft transportiert. Dadurch, dass wir das Material jetzt verdichtet nach Zürich verschieben können, sparen wir bis zu 90 Prozent der Transporte ein.»

Der Nachhaltigkeitsgedanke zieht sich durch den ganzen Betrieb. Die Biogas-Anlage und die 600-Kilowatt-Peak-Solaranlage auf dem Hallendach versorgen Anlagen und Fahrzeuge mit Strom. Alle drei Lastwagen, die für PET-Recycling Schweiz im Einsatz sind, fahren ab Sommer 2026 vollelektrisch. «Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel von PET-Recycling Schweiz», so Sandro Graf.

Auf Sammeltour mit Manuel Sommerhalder

Während in der Halle die Ballenstapel wachsen, ist draussen Chauffeur Manuel Sommerhalder, einer der vier Fahrer im PET-Recycling, auf seiner Tour. Er fährt seit zwölf Jahren und kennt seine Sammelstellen, ihre Eigenarten und Ansprechpersonen. Kein Tag gleicht dem anderen. «Manche Sammelstellen fahre ich einmal pro Woche an, manche nur einmal im Monat oder gar einmal im Jahr. Meine Kundschaft ist sehr vielfältig: Da sind Bauernbetriebe und Strandbäder, aber auch ein Atomkraftwerk und ein Gefängnis. Regelmässig sieht man mich bei den Recyclinghöfen und Sammelstellen der Gemeinden.»

Was Sommerhalder an seiner Arbeit schätzt, ist die Selbständigkeit: Er plant seine Touren weitgehend selbst — auch wenn das manchmal zur Herausforderung wird. Kündigt eine Sammelstelle telefonisch 80 Säcke an und stehen am Ende über 200 da, ist eine zweite Fahrt nötig. «Weniger lustig ist es, wenn sich in den Säcken oder Big Bags Fremdkörper verstecken. Das kann insbesondere bei Akkus gefährlich werden, wenn diese sich entzünden.» Manchmal findet Manuel auch Kurioses: «Einer hat seine PET-Flaschen in einen Wäschekorb gesteckt und dann den Wäschekorb in den PET-Sack gestopft. Ich frage mich bis heute, wie er den grossen Korb in den Sack bekommen hat, ohne den Sack zu zerreissen.»

Seit Januar 26 fährt Manuel elektrisch. «Am Anfang musste ich etwas aufpassen wegen der Reichweite — eine Diesel-Tankfüllung reicht weiter als eine volle Ladung im E-Tank. Aber dafür ist mein Elektro-Lastwagen sehr leise. Er stinkt nicht und wird erst noch mit Strom der hauseigenen Biogas-Anlage wieder aufgeladen.»

Die Einblicke in das Umschlagzentrum und die Tour mit Manuel Sommerhalder machen die Einstellung der Häfeli Recycling AG deutlich: Ein guter Partner im PET-Recycling-System ist vor allem regional verankert, zuverlässig — und kann anpacken, wenn Arbeit da ist. «Die heisse Phase steht uns noch bevor; erfahrungsgemäss wird der Durst der Schweizerinnen und Schweizer im Sommer nicht kleiner und die Sammelbereitschaft der Bevölkerung wächst stetig», freut sich Sandro Graf.

«Mein Elektro-Lastwagen ist sehr leise, er stinkt nicht und wird erst noch mit Strom der hauseigenen Biogas-Anlage wieder aufgetankt.»

Manuel Sommerhalder –
Chauffeur Häfeli Recycling AG