Stellungnahme des Verein PET-Recycling Schweiz
Artikel «Verräterische Signale», NZZ am Sonntag vom 1. Februar 2026
Die NZZ am Sonntag hat im Artikel «Verräterische Signale» vom 1. Februar 2026 in unsachgemässer Weise über das PET-Recycling berichtet. Der Artikel beschreibt ein Experiment der Firma Impact Acoustic, das beweisen soll, dass PET-Getränkeflaschen in Kehrichtverwertungsanlagen entsorgt statt ins Recycling geleitet werden. Ein untauglicher Versuchsaufbau, wenig plausible Resultate und fehlende Transparenz zeigen, dass die Vorwürfe der Impact Acoustic sachlich nicht haltbar sind und auf Kosten des erfolgreichen PET-Recyclings eine PR-Geschichte konstruieren.
Der Vorwurf
Die Firma Impact Acoustic aus Luzern hat gemäss eigenen Aussagen 120 AirTags (batteriebetriebene Bluetooth-Tracker) in präparierten Flaschen in die PET-Sammlung geworfen. Die Firma kritisiert, dass 46% dieser Elektrogeräte es nicht bis in die Verwertungsanlagen geschafft haben.
Untauglicher Versuchsaufbau
Fremdstoffe werden von PET-Recycling Schweiz in einem mehrstufigen Prozess aussortiert. Elektrogeräte und Batterien sind besonders im Fokus, da diese eine erhebliche Brandgefahr darstellen. Dass diese brandgefährlichen AirTags im Verlauf der Verwertungskette als Fremdstoffe erkannt, aussortiert und schlussendlich in KVA oder Zementwerken entsorgt wurden, beweist, dass die Qualitätskontrollen von PET-Recycling Schweiz funktionieren. Der Vorwurf, dass Elektrogeräte es bis in die Recyclinganlagen hätten schaffen müssen, zeugt von wenig Verständnis für das Recycling.
AirTags sind magnetisch
Die Behauptung, AirTags seien nicht magnetisch, ist falsch. Bereits starke Haushaltsmagnete ziehen AirTags an. In den Recylinganlagen werden Überbandmagnete eingesetzt. Dies sind industrielle Magnetabscheider, die selbst schwere Eisenteile aus dem Materialstrom ziehen. Sie sind über den Förderbändern montiert und entfernen selbst kiloschwere Metallteile aus bis zu einem Meter Abstand.
Wenig plausible Resultate
Zusätzlich zum untauglichen Versuchsaufbau, bezweifelt PET-Recycling Schweiz ganz grundsätzlich die «Resultate» des Experiments. AirTags haben ungefähr die Grösse eines Fünflibers, bestehen mehrheitlich aus Plastik und sind rund 12 Gramm schwer. Der grösste Teil des PET-Sammelgut wird in den Umschlagcentern zu Ballen verdichtet, wobei ein Pressdruck von über 60 Tonnen angewendet wird – das entspricht dem Gewicht eines Leopard 2 Kampfpanzers. Es ist schlicht nicht plausibel, dass 108 der 120 eingeworfenen AirTags einen so brachialen Vorgang unbeschadet überstehen sollen.
Keine Transparenz über das Experiment
PET-Recycling Schweiz wurde im November 2025 von Impact Acoustic über das Experiment und die angeblichen Resultate informiert. Seither haben wir die Offenlegung der Daten angefragt. Nach mehrfachen Anfragen wurde uns Mitte Januar von einer Anwaltskanzlei mitgeteilt, dass PET-Recycling Schweiz keinen Anspruch auf Auswertungen im Zusammenhang mit dem Experiment hätte. Dass sich Impact Acoustic so vehement gegen die Offenlegung der Daten wehrt, stützt unsere Annahme, dass das Experiment in Wahrheit anders verlaufen ist.
Plumpe PR-Aktion
Impact Acoustic verkauft Schallschutz-Paneele, die aus (rezykliertem) PET hergestellt werden. Die Firma möchte ihre Kunden jedoch überzeugen, anstelle der günstigen PET-Paneele auf alternative und teurere Werkstoffe umzuschwenken. Das Narrativ dafür hat die NZZ geliefert. Der Artikel ist clever aufgebaut und als journalistischer Beitrag getarnt: Im ersten Teil wird der Werkstoff PET (Umweltverschmutzung durch Getränkehersteller) kritisiert. Im zweiten Teil werden mit dem untauglichen Experiment Zweifel an der Sinnhaftigkeit des PET-Recyclings geschürt. Und im dritten Teil wird die Lösung präsentiert: Impact Acoustic biete nun Schallschutz-Paneele aus Baumwolle und anderen Materialien. PET-Recycling Schweiz bedauert, dass sich die NZZ für einen solch plumpen PR-Artikel hat benutzen lassen.
Um die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen zu unterbinden, hat PET-Recycling Schweiz in dieser Angelegenheit rechtliche Schritte eingeleitet.
Fragen zum PET-Recycling
- Die nationale Verwertungsquote wird vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) erhoben.
- Sie zeigt, wie viel Prozent der in der Schweiz verkauften PET-Getränkeflaschen rezykliert werden.
- Grundlage sind die verbrauchte Menge und die verwertete Menge von PET-Flaschen. Informationen des BAFU
- PET-Recycling Schweiz ist zwar der grösste Akteur, deckt jedoch nicht den gesamten Teil der in der Schweiz rezyklierten PET-Mengen ab.
- Verbrauch: Hersteller, Händler und Importeure, die PET-Getränkeflaschen in der Schweiz in Umlauf bringen, sind verpflichtet, diese Mengen dem BAFU zu melden (Art. 18 VGV).
- Recycling: Wer PET-Getränkeflaschen zurücknimmt und verwertet, muss diese Mengen dem BAFU melden (Art. 19 VGV). PET-Recycling Schweiz deckt einen grossen, aber nicht den gesamten Teil der in der Schweiz rezyklierten PET-Mengen ab.
- Das BAFU ist für die Erhebung der Mengen (Verbrauch und Recycling) verantwortlich. Bei Meldungen von «privaten Meldestellen» (z.B. PET-Recycling Schweiz) ist das BAFU berechtigt, alle Einzelmeldungen einzusehen (Art. 20 VGV).
- Die offizielle Verwertungsquote ist öffentlich zugänglich. Abfallstatistiken
- Die Getränkeindustrie ist nach Artikel 7 der Verordnung über Getränkeverpackungen verpflichtet, PET-Flaschen auf eigene Kosten zu verwerten (erweiterte Produzentenverantwortung).
- Zur Erfüllung dieser Pflicht hat sie den nicht-gewinnorientierten Verein PET-Recycling Schweiz gegründet.
- Finanziert wird das System über einen vorgezogenen Recyclingbeitrag pro Flasche.
- Alle relevanten Akteure arbeiten gemeinsam am PET-Kreislauf und entwickeln ihn weiter.
- Die aktive Beteiligung der Inverkehrbringer schafft Anreize für besseres Verpackungsdesign (Design for Recycling), effizientere Prozesse und Innovation.
- Dies ist der Grund für die hohe Verwertungsquote von 84 Prozent und dafür, dass von diesem verwerteten Material 59 Prozent wieder für neue PET-Getränkeflaschen eingesetzt werden können (geschlossener Flaschenkreislauf). 41 Prozent fliessen im «Open Loop» in andere Produkte und Verpackungen.
- Das System ermöglicht ein dichtes Sammelnetz mit annähernd 70’000 Rückgabestellen und damit eine kostenlose, benutzerfreundliche Rückgabe.





