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PET-Ballen unter der Lupe
Er prüft das PET-Sammelgut auf Herz und Nieren: Gerhard Fritz, unabhängiger Analytiker der FHA Analytik, nimmt regelmässig die drei PET-Sortierstandorte der Schweiz unter die Lupe und erfasst im Auftrag von PET-Recycling Schweiz die gefundenen Fehlwürfe. Die Resultate helfen, den Schweizer PET-Kreislauf laufend zu verbessern – und zeigen, wie wichtig bereits der Einwurf ist.
Seine Hände stecken in dicken Handschuhen und damit wühlt er sich durch einen grossen Haufen Sammelmaterial. Gerhard Fritz, 54, ist kein Mann, der die Basis-Arbeit scheut – er zieht den Feldeinsatz jederzeit dem Büroalltag vor. «Ich bin gerne draussen und arbeite mit den Händen», sagt er schmunzelnd. Dabei könnte er nach 32 Jahren in der Branche durchaus auch mal etwas langsamer treten. Der Abfall-Analyse-Profi gründete 1998 die FHA Analytik, ein Ingenieurbüro für technische Chemie mit Schwerpunkt manuelle Abfall- und Sortieranalysen. Seine Einsatzorte erstrecken sich über halb Europa: Er arbeitet in der Schweiz, in Österreich und Deutschland, und manchmal führt ihn seine Tätigkeit sogar bis in die Türkei. Im Winter, wenn es an den Sortierstandorten zu kalt wird für die Feldarbeit, sitzt er im Büro. «Januar und Februar sind etwas ruhiger, in dieser Zeit werten wir die Daten aus», sagt er. Den Rest des Jahres ist er unterwegs. Für die Ballenanalysen sind sie jeweils zu zweit vor Ort. Beim aktuellen Einsatz bei der Müller Recycling in Frauenfeld unterstützt ihn die Studentin Elsa Koskati. Die Müller Recycling ist eines der drei Schweizer Sortierzentren, wo gesammelte PET-Getränkeflaschen mit modernster Technologie nach Farben sortiert und von Fremdstoffen befreit werden, bevor das Material den Weg ins eigentliche Recycling findet und zu Granulat weiterverarbeitet wird. Das gesammelte Material kommt von überall in der Schweiz: aus Supermärkten, Recyclinghöfen und Sammelstellen der Gemeinden. Es wird zum grössten Teil zu Ballen gepresst angeliefert. Einmal pro Jahr kommt Fritz für rund drei Wochen – und macht sich dabei ein sehr genaues Bild davon, was die Schweizer Bevölkerung so alles in die PET-Sammlung wirft.

«Ganz wichtig ist, dass wir alle nur PET-Getränkeflaschen in diese Sammlung einbringen.»
Analytiker FHA Analytik
Hier kommt alles auf den Tisch
Der Ablauf ist standardisiert. PET-Recycling Schweiz erstellt im Vorfeld eine Liste mit den Zulieferern, deren Ballen analysiert werden sollen. Anlageführer Zoltan Gal sorgt dafür, dass die entsprechenden Ballen bereitstehen und beschriftet sind, wenn der Abfall-Analyst eintrifft. Dann geht es los: Ein Ballen wird geöffnet, eine Teilprobe entnommen, gewogen und auf die Sortierfläche entleert – in Frauenfeld ein provisorischer Tisch auf drei Fässern, ganz pragmatisch. Ein einzelner Ballen kann bis zu 300 Kilogramm wiegen, analysiert wird eine repräsentative Stichprobe daraus. Fritz und seine Kollegin sortieren von Hand, Flasche für Flasche, Fraktion für Fraktion: nach Farben und nach Fehlwürfen. Ist eine Charge fertig sortiert und gewogen, kommt die nächste.
Was Gerhard Fritz und Elsa Koskati dabei suchen: alles, was nicht in einen PET-Getränkeflaschen-Ballen gehört. «In den angelieferten Ballen haben wir ungefähr fünf bis zehn Prozent Fehlwürfe und Fremdstoffe», sagt er. Waschmittelflaschen, Essig- oder Öl-Flaschen, Joghurtbecher, Kunststoffverpackungen. Manchmal auch Schlimmeres. «Ich habe schon alles gesehen – Akkus, Batterien, Essensreste, andere Verpackungen.» Er sagt es und bleibt ganz cool dabei, nach so vielen Jahren im Business überrascht ihn nicht mehr viel.
Fritz prüft aber nicht nur, was in die Anlage kommt – den sogenannten Input. Er schaut sich auch die fertig sortierten Output-Ballen an, die die Anlage verlassen. «Indem wir auch das fertig sortierte Material sowie den Sortierrest prüfen, sehen wir sehr genau, wie gut die Sortierung funktioniert und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt», sagt Fritz. Beim Output gelten strenge Grenzwerte: Maximal zwei Prozent Fehlwürfe dürfen noch enthalten sein, damit das Material für ein Lebensmittelrecycling tauglich ist. Denn das Ziel ist klar: Aus gebrauchten PET-Getränkeflaschen sollen wieder neue PET-Getränkeflaschen entstehen. Die Resultate aus den Output-Analysen fliessen direkt in die Optimierung der Sortieranlagen ein – und helfen PET-Recycling Schweiz, die hohen Qualitätsanforderungen im Kreislauf langfristig zu sichern.
Die Schweiz ist gut – aber besser geht immer
Für Thomas Müller, Geschäftsführer bei Müller Recycling in dritter Generation, sind die Resultate von Fritz vor allem auf der Output-Seite ein wichtiges Steuerungsinstrument: «Beim Output sehen wir, wo wir unsere Anlage optimieren können – und das hilft uns, die Sortierung gezielt weiterzuentwickeln.» Die unabhängigen Kontrollen finden in allen drei Sortierzentren der Schweiz statt. «Wir stehen nicht in Konkurrenz zueinander, im Gegenteil. Es braucht aus geographischer Sicht jeden Standort. Die Resultate der drei Sortierzentren geben PET-Recycling Schweiz wichtige Vergleichsdaten und sind die Grundlage dafür, gezielt zu investieren und optimieren», so Thomas Müller weiter.
Wenn Fritz die Schweiz mit den Nachbarländern vergleicht, kommt er schnell auf den Punkt: Das Sammelgut hier sei deutlich besser als in Deutschland oder Österreich – und das liege auch an der Einstellung der Bevölkerung. Neben dem wachsenden Bewusstsein der Bevölkerung hat auch die Technik ihren Anteil daran, dass die Qualität steigt: Früher wurde in den Sortierzentren alles von Hand sortiert, heute übernehmen weitgehend Maschinen diese Arbeit. Aber auch die können irren. «Jede Maschine macht Fehler», sagt Fritz. «Eine gewisse Kontrolle durch manuelle Schritte muss es immer geben – auch um die Auflagen zu erfüllen.» Eine Sammlung sei nie hundert Prozent rein, es gebe immer irgendwo eine Fehlerquelle. Seine Arbeit ist also so schnell nicht überflüssig. Über die letzten 30 Jahre habe sich die Sammelqualität generell leicht verbessert. «Wir müssen uns trotzdem bemühen, dass es sogar noch ein bisschen besser wird», sagt er.
Wo die Reise hingeht, ist klar: Künftig sollen die unabhängigen Kontrollen häufiger stattfinden, um Trends früh zu erkennen und schneller eingreifen zu können. Die beste Qualitätssicherung beginnt aber nicht in der Sortieranlage, sondern beim Einwurf. «Es gehören ausschliesslich PET-Getränkeflaschen in die Sammlung», sagt Fritz, «weil aus diesem Sammelmaterial wieder ein PET-Rezyklat mit Lebensmittelqualität produziert werden soll.» Sprich: Aus gebrauchten entstehen neue PET-Flaschen, aus denen wir alle wieder trinken werden. Recycling fängt eben nicht auf dem Analyse-Tisch in der Sortieranlage an – sondern bei uns allen, die mit einer leeren PET-Getränkeflasche vor dem Sammelbehälter stehen.

«Beim Output sehen wir, wo wir optimieren können.»
Geschäftsführer Müller Recycling Frauenfeld