Neue Recycling-Ära: Milch in PET-Flaschen

Ab sofort sammeln wir auch
Milchflaschen aus PET
N˚84 Februar 2024
Editorial
Liebe Leser:innen

Ein weiterer, wichtiger Schritt hin zur Kreislaufwirtschaft ist geschafft: Ab sofort gibt es Milch in PET-Getränkeflaschen. Viele Milchproduzenten sind schon am Start, weitere kommen laufend dazu. Damit PET-Flaschen für Milchprodukte in den in der Schweiz einzigartigen Kreislauf aufgenommen werden können, mussten neue Recyclingprozesse entwickelt werden. Aktuell wird entsprechend in neue Abfüllanlagen und Sortiermodule investiert. Wir freuen uns über die neuen Mitglieder aus der Milchindustrie, die wir bei PET-Recycling Schweiz begrüssen dürfen.

Herzlich, Ihr

Jean-Claude Würmli –
Geschäftsführer PET-Recycling Schweiz

Flashnews

Must have

Dieser Eiskratzer aus rezyklierten Flaschendeckeln befreit die Autoscheibe und unterstützt zudem ein innovatives Nachhaltigkeitsprojekt.

Nachhaltig in Fahrt

Das natürliche Knutwiler Mineralwasser ist ein kostbares Naturprodukt und der Grund für den hohen Nachhaltigkeitsanspruch der Mineralquelle Bad Knutwil AG. Das Unternehmen hält das Verkaufsgebiet bewusst begrenzt, um möglichst kurze Transportwege sicherzustellen. Die Umstellung der Fahrzeugflotte auf E-Mobilität ist ein weiterer bewusster Schritt im Rahmen der nachhaltigen Strategie und bringt jährliche CO2-Einsparungen von rund 100 Tonnen.

Neue Technologie im Test

Mehrere Startups arbeiten an Lösungen, um den Warenstrom zu identifizieren, wie bereits in PETflash 75 berichtet. Dafür werden einzelne Objekte eines Warengutes kontinuierlich gefilmt und mittels KI-Software identifiziert. Tests des Unternehmens Polyperception zeigen, dass eine solche kontinuierliche Messmethode die aufwendige händische Analyse grösstenteils ersetzen könnte.

Milch in PET

Ein Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft:

Milch in PET-Getränkeflaschen

PET-Getränkeflaschen sind die einzige Kunststoffverpackung im Lebensmittelbereich, für die in der Schweiz ein geschlossener Kreislauf existiert. Mit diesem Wissen ist die Milchindustrie im Frühling 2023 an PET-Recycling Schweiz herangetreten. Die Frage war: «Können wir auf PET-Flaschen umstellen, um beim PET-Recycling mitzumachen?» Schnell wurde klar, dass es eine Arbeitsgruppe aus Herstellern,
Logistiker:innen, Qualitätsfachleuten und Kommunikationsprofis braucht. Diese hat in den letzten Monaten die Einführung von Milchflaschen aus PET vorangetrieben. Seit Januar 2024 ist es so weit: PET-Getränkeflaschen für Milch und Milchprodukte dürfen in die PET-Sammlung. Nach der Umstellungsphase werden die Milchflaschen aus PET im geschlossenen Kreislauf rezykliert. Im Interview geben die Beteiligten Einblicke in den spannenden Prozess, wie die Milch in die PET-Flasche kam.

Das grosse Signet macht es Konsument:innen leicht, die neuen PET-Getränkeflaschen für Milch und Milchprodukte zu erkennen. Die Botschaft ist klar: Diese Flasche gehört in die PET-Sammlung.

Expert:innen aus der milchverarbeitenden Industrie, Fachleute für Sortierung und Recycling sowie von PET-Recycling Schweiz haben es geschafft, dass mit Milch und Milchprodukten in PET-Getränkeflaschen ein weiterer Meilenstein im PET-Recycling erreicht wird. Hier kommen sie zu Wort.

Sara Hesseling

Head Marketing Dairy, Emmi Schweiz AG

Der sorgsame Umgang mit Ressourcen ist Teil unseres verantwortungsvollen Geschäftsmodells. Emmi setzt auf Kreislaufwirtschaft, um Ressourcen zu erhalten und Abfall zu reduzieren. Deshalb machen wir uns für Verpackungen wie PET-Flaschen stark. Ein grosses Anliegen ist uns auch die Reduktion von CO2. Eine Einsparung erreichen wir bei der Anlieferung der PET-Flaschen, da wir diese neu direkt an der Abfüllanlage aus Rohlingen herstellen können. Zudem sind die PET-Flaschen leichter als bisherige Flaschen aus PE. Für die Konsument:innen hat auch das wegfallende Aludeckelchen Vorteile, auf das wir bei den meisten PET-Flaschen verzichten können. Das Produkt kann mit einem Handgriff geöffnet werden, bei gleichbleibender höchster Lebensmittelsicherheit.

PET-Flaschen kommen im Vergleich zu Plastikflaschen aus PE mit weniger Material aus. Das ist aus ökologischer Sicht ein klarer Vorteil. Dadurch wird die Flasche aber leichter verformbar, was zu Dellen führen kann. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir an einer Lösung dafür. Elementar ist für uns, dass der Geschmack und die Haltbarkeit unverändert bleiben. Dies ist mit der PET-Flasche möglich, und so können wir weiterhin Genuss in höchster Qualität liefern.

Engelbert Dähler

Vorstand Verein PET-Recycling Schweiz

Wir sind hocherfreut, dass die Milchindustrie dieses Vertrauen in unser PET-Recycling-System zeigt und auf die umweltfreundlichere PET-Flasche umstellt. Nach der Übergangsphase werden diese Milchflaschen aus PET in einem geschlossenen Kreislauf rezykliert. In diesem Sinne begrüssen wir die neuen Mitglieder in unserem Verein herzlich.

Lorenz Hirt

Geschäftsführer VMI

Unsere Vereinigung bedankt sich bei PET-Recycling Schweiz für die Anstrengungen, den PET-Kreislauf auch für PET-Flaschen für Milchprodukte zu öffnen. Mehrere Mitglieder der VMI haben den Entscheid für einen Wechsel von anderen Kunststoffflaschen auf PET-Flaschen gefällt und sind sehr an diesem Projekt interessiert. Andere stehen noch in der internen Diskussion. Die grösste Herausforderung ist, dass es für die Umstellung auf PET neue Anlagen benötigt. Dies wird seine Zeit in Anspruch nehmen.

Sophie Waeber

Qualität & Einkauf Verpackungen, Milco SA

Das Sortiment umfasst pasteurisierte Biomilch von La Gruyère, IP Suisse und Pro Montagna, als Vollmilch oder Drink. Wir füllen in weisse 1-l und 0,5-l Flaschen ab. Um diese Umstellung zu vollziehen, arbeitete Milco eng mit Coop und dem Flaschenlieferanten zusammen, um die notwendigen Anpassungen sowohl auf technischer als auch auf Marketing-Ebene vorzunehmen.

Hanna Krayer

Co-Leiterin Direktion Nachhaltigkeit Migros-Gruppe

Die Migros wird in den nächsten Jahren ihre Milchflaschen auf PET umstellen, da sich diese hochwertig recyceln lassen. Der längere Umstellungszeitraum auf dem Markt von PE- auf PET-Milchflaschen wird eine Herausforderung. Der Migros ist es wichtig, ihre Kund:innen während dieses Prozesses sinnvoll zu begleiten.

Salome Hofer

Leiterin Nachhaltigkeit / Wirtschaftspolitik, Coop

Coop engagiert sich seit vielen Jahren für kreislauffähige, nachhaltige Verpackungen und die Reduktion von Verpackungsmaterial. Wir haben diesbezüglich ambitionierte Zielsetzungen in allen Sortimenten. Mit der Umstellung auf PET bei Milch und Milchprodukten machen wir

Milch in PET

Alles, was Sie über Milch in PET wissen müssen

Die Umstellung erfolgt schrittweise und wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Während dieser Übergangsphase sind beide Verpackungsmaterialien für Milch (PET und HD-PE) auf dem Markt.

Aufs Logo achten:

PET-Getränkeflaschen

Alle Flaschen mit diesem Logo gehören in die separate Sammlung für PET-Getränkeflaschen.

Die neuen Milchflaschen aus PET können transparent oder weiss sein. Beide dürfen in die PET-Sammlung.

Das ändert sich für die Sammelstellen
PET-Getränkeflaschen, in denen Milchprodukte abgefüllt waren, dürfen seit Januar 2024 in die PET-Sammlung. Handling, Abholung und Kontaktpersonen bleiben gleich.

Ist bei den Sammelstellen mit Mehrmengen zu rechnen?
Am Anfang der Umstellungsphase ist mit Mehrmengen im tiefen einstelligen Prozentbereich zu rechnen. Weil die meisten Milchprodukte zu Hause konsumiert werden, wird der grösste Teil wohl im Detailhandel oder bei den Gemeinden zurückgegeben.

Plastik-Flaschen aus PE (Polyethylen)

Flaschen mit diesem Logo oder ohne Recycling-Hinweis dürfen nicht in die PET-Sammlung. Sie gehören weiterhin in die separate Sammlung für Plastik-Flaschen.

Das darf nicht in die PET-Sammlung
Becher von Milchprodukten sowie andere PET-Verpackungen (z.B. Folien und Schalen) gehören weiterhin nicht in die PET-Sammelbox.

Nachhaltig mit Strategie

Als Familienunternehmen plant Rivella verantwortungsvoll für die Zukunft. Im Juni 2023 wurde am Sitz in Rothrist eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Samuel Flückiger, technischer Leiter bei Rivella, erklärt: «Auf über 3500 Quadratmetern erstrecken sich Panels auf den Dächern von Produktion und Lager.» Pro Jahr werden damit 700’000 Kilowattstunden Solarstrom erzeugt, der Verbrauch von rund 150 Familien entspricht. Im Herbst stellt Rivella auf kürzere Flaschenverschlüsse um und spart damit 60 Tonnen Plastik pro Jahr. Bis 2030 wird der CO2-Fussabdruck von Rivella halbiert, bis 2050 soll netto null erreicht sein.

Engagiert für Trinkwasser

Trinken und Gutes tun – auf dieser Idee basiert das Mineralwasser Vives, das von den Mineralquellen Adelboden abgefüllt wird. Gleichzeitig ist Vives der Name einer Schweizer Stiftung, welche Trinkwasserprojekte in ärmeren Weltregionen fördert. Von jeder verkauften Flasche Vives Mineralwasser, alle aus 100 Prozent R-PET, fließen 20 Rappen (1,5 Liter) bzw. 10 Rappen (0,5 Liter) an die Stiftung Vives.

Stille Neuheit

«Henniez» ist in der Schweiz quasi das Synonym für kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Nun hat das Unternehmen seine ersten aromatisierten Stillen auf den Markt gebracht. Die Getränke Henniez Drop of Nature erfrischen mit natürlichen Aromen und sind in Halbliterflaschen aus 100 Prozent R-PET erhältlich. 2024 stellt Henniez gesamthaft auf 100 Prozent R-PET-Getränkeflaschen um.

Westschweiz

Auch die Armee sammelt PET-Getränkeflaschen

Die F/A-18 hebt majestätisch vor den versammelten Familienmitgliedern ab. An diesem Freitag im Herbst findet der Besuchstag der Rekrutenschule in Payerne statt, dem wichtigsten Luftwaffenstützpunkt der Schweizer
Armee. Familien und Freund:innen erhalten einen Einblick in das Leben in der Kaserne und lernen die technischen Funktionen kennen, die in der Fliegerschule 81 gelehrt werden. Die Gäste werden im Hangar zum Mittagessen gebeten. Den Rekruten zuzusehen und das Können der Schweizer Luftwaffe zu bewundern, macht aber auch durstig.

Oberst i Gst Mehdi Agramelal hat vorgesorgt. Als Kommandant der Fliegerschule 81 und Verantwortlicher für die Organisation des Tages hat er nicht nur Getränke bestellt, sondern den Veranstaltungsort auch mit zusätzlichen Sammelcontainern für PET-Getränkeflaschen ausgestattet.

Mehdi Agramelal

Oberst i Gst

Wir haben 380 Rekruten ausgebildet, die während der Rekrutenschule auf zwei Kompanien verteilt waren. Je nach Kompanie wurden sie am 19. bzw. 21. September 2023 zum Soldaten befördert. Obwohl wir hier auch Pilotenanwärter haben, ist es nicht zwingend notwendig, die Luftwaffenrekrutenschule zu absolvieren, um Pilot zu werden. Wir bilden hauptsächlich Luftfahrttechniker aus, die für den reibungslosen Ablauf des Flugdienstes unerlässlich sind.

Wir haben bereits für unsere Schule eine Zusammenarbeit mit PET-Recycling Schweiz über die Logistikbasis der Armee, die uns PET-Sammelstellen zur Verfügung stellt. Für diese Veranstaltung sind wir jedoch in direktem Kontakt, um unsere Partnerschaft zu verbessern und so die Bedeutung des Recyclings zu stärken.

Die Sensibilisierung der Einzelnen kann unterschiedlich sein. Es ist jedoch wichtig, aktiv fürs Recycling zu werben, um das Bewusstsein zu schärfen und die Beteiligung an diesen Bemühungen zu fördern. Das tun wir, indem wir bei unserer Veranstaltung Recyclingstationen aufstellen. Nachdem sich die letzten Eltern und Freund:innen von den Rekruten verabschiedet haben, macht sich das Unternehmen RG Récupération, ein Transporteur in der Nähe der militärischen Infrastruktur von Payerne, an die Arbeit. Das gesamte Team des Büros von PET-Recycling Schweiz in Lausanne hat zum Erfolg dieses Tages beigetragen. Es ist geplant, die Sammlung von PET-Getränkeflaschen bei grösseren Veranstaltungen in verschiedenen Schweizer Kasernen zu etablieren.

Nachhaltigkeits-News

Bereit für den Global Recycling Day?

Am 18. März 2024 ist weltweiter Recycling Day. Mit verschiedenen Stand- oder Aufräumaktionen soll gezeigt werden, welch wichtige Rolle das Recycling für den Klimaschutz und die Schonung der Ressourcen spielt. Letztes Jahr haben sich 150 Organisationen beteiligt. Für Sammelstellen ist der Recycling Day eine tolle Gelegenheit, die Nachbarschaft einzuladen und sie vor Ort zu informieren. Planen Sie jetzt Ihren Anlass! Und holen Sie sich dafür die Unterstützung von Swiss Recycle.

Littering kennt keine Jahreszeiten

Auch auf Skipisten, Winterwanderwegen und Schlittelrouten werden oft achtlos Abfälle zurückgelassen. Deshalb sind auch diesen Winter wieder die Botschafter:innen der IGSU, des Schweizer Kompetenzzentrums gegen Littering, unterwegs. Sie sensibilisieren in direkten Gesprächen auf positive, humorvolle Art für das Littering-Problem, klären auf und motivieren zum korrekten Entsorgen und Recyceln. Vorbeugen ist möglich. Das Aufstellen von PET-Sammelboxen hilft zur Vermeidung von Littering.

Eisgrau

PET-à-porter
Der Rucksack in Ice Grey von Pinqponq ist aus etwa 30 rezyklierten PET-Flaschen gefertigt. Ein nachhaltiges Platzwunder mit vielseitigem Innenleben.

P.A.C. diese Mütze ein

PET-à-porter
Als der 23-jährige Deutsche Lukas Weimann P.A.C. gründete, setzte er auf Nachhaltigkeit. Dabei ist er seit 2012 geblieben. Mütze und Stirnband bestehen aus 100 Prozent rezyklierter Merinowolle, das Innenfutter aus 94 Prozent PET, das aus Ozeanen gefischt wurde, und aus 6 Prozent Elastan. Produziert wird mit Ökostrom.

Aus dem Fluss gefischt

PET-à-porter
Das Unisex Swiss Waste Jacket von Round Rivers kommt aus der Limmat bei Zürich. Dort nämlich sammelt Peter Thomas Hornung PET-Getränkeflaschen ein, die nicht richtig entsorgt wurden. Pro Jacke braucht er 18 PET-Flaschen. Die Auflage ist limitiert, weil ausschliesslich PET-Getränkeflaschen aus der Limmat verwendet werden.